Beschaffungsstrategie festlegen
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Beschaffungsstrategie im Facility Management festlegen
Eine belastbare Beschaffungsstrategie im Facility Management verbindet drei Ebenen zu einem steuerbaren Gesamtbild: (1) Sourcing-Modell (Inhouse/Outsourcing/Managed Services/SaaS) mit klarer Betreiber- und Governance-Logik, (2) Vergabe- und Auswahlarchitektur (Verfahren, Dokumentation, Bewertung, Pilotierung) und (3) Vertrags- und Betriebsfähigkeit (SLA, Datenhoheit, Security/DSGVO, Exit/Migration, Change).
Die Methode dient dazu, aus Bedarf und Zielbild (Use Cases, Nutzen, Scope inkl. SoR-Fit) ein entscheidungsreifes Strategiepaket zu machen: Bewertungsmodell (GEFMA‑444-orientiert), TCO/Business Case, Risiko- und Compliance-Checks (DSGVO/IT‑Security/Mitbestimmung), Auswahlprozess (RFI/RFP, Demos, PoC) und eine vergabefähige Dokumentation inklusive Übergabe in die Implementierung.
Rahmen und Zielbild
- Einführung
- Ziel
- Sourcing-Modelle im FM
- Ausgangssituation
- Voraussetzungen
- Daten
- Organisation, Governance und Compliance
- Vorgehensstruktur und Zeitplan
- Tabellen und Beispiele
- Ergebnisse und Bewertung
- Vorteile
- Grenzen
- Einsatz
- Verweise
- Tools
Einführung in die Methode
Die Methode „Beschaffungsstrategie im FM festlegen“ strukturiert, wie und was im FM beschafft wird: Leistungen (Facility Services), IT/Plattformen (CAFM/IWMS, DMS/CDE, IoT‑Plattformen), BIM‑Services sowie begleitende Implementierungs- und Betriebsleistungen. Sie setzt vor der eigentlichen Vergabe an und definiert Zielbild, Vorgehen, Governance, Bewertung, Risiken, Vertragsrahmen und Übergabe in die Umsetzung.
Im FM-Kontext ist Beschaffung dabei ausdrücklich mehr als transaktionaler Einkauf: FM‑Connect beschreibt Beschaffung als strategische Funktion zur Ausgabenoptimierung, Qualitätssicherung, Risikosteuerung, Einhaltung von Gesetzen/Vorgaben, Integration von ESG/Compliance und als Prozess, der Change‑Management, KPIs und kontinuierliche Strategie-Reviews einschließt.
Für digitale Lösungen (CAFM/IWMS) betont FM‑Connect zusätzlich: Erfolgreiche Beschaffung beginnt mit Bedarfsanalyse/Lastenheft, klaren Muss-/Kann‑Kriterien gegen Scope Creep, sowie der Einbindung von Schnittstellen-, Performance- und Compliance-Anforderungen.
Ziel der Methode
Ziel ist ein konsistentes „Strategiepaket“, mit dem Betreiber, CREM, Dienstleister oder öffentliche Auftraggeber eine Vergabe fachlich, wirtschaftlich, rechtssicher und betrieblich tragfähig durchführen können:
(Beispiel CAFM):
Sourcing-Entscheidung: Welche Aufgaben/Leistungen bleiben intern, was wird ausgelagert; welche Teile als Managed Service; welche IT als SaaS/Cloud/On‑Prem.
Bewertungs- und Auswahlmodell: transparente Kriterien, Gewichtung, Scoring, Eignungs- und Zuschlagslogik; für CAFM darf GEFMA‑444‑Orientierung als Qualitätsanker dienen (z. B. Basiskatalog, Flächen-/Instandhaltungsmanagement u. a.).
Wirtschaftlichkeit: TCO über relevante Zeithorizonte (typisch 5–10 Jahre als Planungsraster), inkl. Lizenzmodell-/Betriebsmodell-Effekten (CapEx/OpEx) sowie 3‑Punkt‑Schätzung für Implementierungs- und Migrationsrisiken.
Risikominimierung & Compliance: DSGVO (AVV/Art. 28/Art. 32 TOMs), IT‑Sicherheitsanforderungen (z. B. ISMS/ISO 27001, BSI IT‑Grundschutz), Mitbestimmung/Betriebsvereinbarung bei potenziell überwachungsgeeigneten IT‑Systemen.
Vertrags- und SLA-Fähigkeit: Service Levels, Datenhoheit/SoR‑Fit, Exit/Migration, Change‑Requests, Auditierbarkeit und Betriebsmodell (SaaS/On‑Prem) werden vertraglich sauber abgebildet.
Die Methode ist geeignet für:
Betreiber/Industrie/Kliniken/Kommunen: z. B. Neuvergabe von Facility Services, Konsolidierung von Dienstleistern, Beschaffung eines CAFM/IWMS samt Implementierung/Integration/Betrieb, oder vergleichbar
CREM/Portfolioorganisationen: Harmonisierung von Tool‑Landschaften (CAFM, DMS, IoT) und Lieferantenmodellen, Aufbau von Rahmenverträgen und Governance.
FM‑Dienstleister: Aufbau/Weiterentwicklung eigener Sourcing‑ und Lieferantenstrategie, aber auch Teilnahme an kundenseitigen Vergaben (Anforderungen, Nachweise, SLA‑Rahmenwerk, Security/Datenschutzpakete).
Öffentliche Auftraggeber: insbesondere, wenn Dokumentations- und Transparenzpflichten (Vergabevermerk, Markterkundung, Bewertungsbögen, Versionstracking) stringent eingehalten werden müssen.
Sourcing-Modelle im FM (Vergleichstabelle)
Die Einordnung folgt FM‑Connect (strategische Beschaffung, Change/KPIs) und FM‑Connect‑CAFM‑Beschaffung (Betriebsmodell SaaS/On‑Prem, Vertrags- und Sicherheitsanforderungen); Compliance- und Security-Aspekte werden durch DSGVO/ISMS‑Praxis ergänzt.
| Sourcing-Modell | Vorteile | Nachteile | Typische Einsatzszenarien im FM | Compliance-/Security-Schwerpunkte |
|---|---|---|---|---|
| Inhouse (Eigenleistung) | Hohe Steuerbarkeit, Know-how intern, kurze Abstimmung | Skalierung/Ressourcenengpässe, Spezialwissen fehlt ggf. | Kernprozesse, Betreiberpflichten-Steuerung, strategische Governance | Interne Rollen/RACI, ISMS-Compliance, Auditfähigkeit (unbestimmt je Branche) |
| Outsourcing (klassisch) | Skaleneffekte, Fokus aufs Kerngeschäft, planbare Leistung | Abhängigkeit vom Provider, Steuerungsaufwand, Schnittstellenkomplexität | TFM/IFM als Paket, Standardleistungen über Standorte | SLA/KPI, Datenhoheit, Leistungsnachweise, Compliance-Audits |
| Managed Services (Betrieb/Applikationsbetrieb) | Entlastung IT/FM, klarer Betrieb/Support, SLA-basierte Verfügbarkeit | Lock in Risiko, Governance muss stärker sein | CAFM/IWMS-Betrieb, Integrationsbetrieb, Support/Monitoring | AVV/Art. 28, TOMs/Art. 32, Audit Rights, Sub Processor Regeln |
| SaaS (Software-as-a-Service) | Schneller Start, Updates/Hosting beim Anbieter, Flexibilität (OpEx) | Datenstandort/Regulatorik, Abhängigkeit von Anbieterbetrieb, Exit-Plan kritisch | CAFM/IWMS, DMS/CDE, IoT Plattform | EU Datenstandort, AVV, Verfügbarkeit/Backup, Exit/Migration, regelmäßige Security Reviews |
Typische Ausgangssituationen, in denen eine Beschaffungsstrategie explizit wirksam wird:
Fragmentierte Beschaffung: viele Einzelverträge, inkonsistente Preis-/SLA-Strukturen, geringer Anteil „Spend under Management“. FM‑Connect nennt hierfür die Notwendigkeit transparenter Richtlinien, standardisierter Prozesse sowie KPI‑gestütztes Monitoring (z. B. Compliance‑Rate, Durchlaufzeiten, Notfallbestellungen).
Unklare Ziel- und Anforderungslage: insbesondere bei CAFM/IWMS droht Scope Creep, wenn Muss-/Kann‑Kriterien und Erfolgskriterien nicht sauber dokumentiert sind.
Hohe Integrationsabhängigkeit: Systemlandschaften mit ERP, GLT/GA, Energiemanagement, DMS und BIM erfordern ein nachvollziehbares Schnittstellenkonzept; GEFMA 410 fordert dafür standardisierte Planung/Umsetzung/Betrieb, um Medienbrüche und Redundanzen zu vermeiden.
Unsicherheit zu Betriebsmodell und Risiko: z. B. On‑Prem (Kauf + Wartung) vs. Subscription/SaaS; FM‑Connect empfiehlt TCO‑Vergleich und verknüpft Betriebsmodell mit Vertragsinhalten (Verfügbarkeit, Rechenzentrumsstandort, Datensicherheit/Backup, Verantwortlichkeiten für Updates/Wartung).
Für eine belastbare Beschaffungsstrategie sind folgende Voraussetzungen erforderlich (teils organisationsabhängig, daher unbestimmt):
Mandat & Governance: Steering‑Struktur für Grundsatzentscheidungen (Sourcing, Budgetrahmen, Risikotoleranz); FM‑Connect betont die Definition von Rollen/Verantwortlichkeiten und Genehmigungsabläufen in Beschaffungsrichtlinien.
Bedarfs-/Anforderungsgrundlage: Lastenheft/Backlog, Muss-/Kann‑Kriterien, Integrations- und Performanceanforderungen; im CAFM-Kontext nennt FM‑Connect explizit Module, Schnittstellen und Verfügbarkeits-/Performanceanforderungen als Bestandteil des Lastenhefts.
Öffentliche Auftraggeber: Einstufung ober-/unterhalb EU‑Schwellenwert, Verfahrenswahl nach Vergaberecht; bund.de weist darauf hin, dass Anforderungen wesentlich davon abhängen, ob der Auftragswert über/unter EU‑Schwellen liegt, die regelmäßig angepasst werden.
IT‑Security‑Baseline: ISMS‑Anforderungen und Mindeststandards, z. B. ISO/IEC 27001 als ISMS‑Rahmen und/oder BSI IT‑Grundschutz als Maßnahmenbasis.
Datenschutz/Mitbestimmung: AVV/TOM‑Anforderungen, Datenschutzpaket als Vergabeunterlage; FM‑Connect führt ein Datenschutzpaket (AVV‑Entwurf + TOM‑Anforderungen) sowie IT‑Sicherheitskatalog als typische Vergabeunterlagen auf.
CDE/DMS-Beschaffung im BIM‑Kontext: DIN SPEC 91391‑1 kann als funktionaler Mindestanforderungsrahmen dienen (rund 200 Anforderungen, Muss/Kann; openCDE‑Schnittstellenkonzept). benötigte Daten
Für die Strategieerstellung werden typischerweise benötigt:
Spend- und Vertragsdaten: Ausgabestrukturen, Laufzeiten, Kündigungsfristen, Leistungs-/Preislogik, Abhängigkeiten (z. B. Bundles, Named/Concurrent‑Modelle).
Leistungs- und Qualitätsdaten: heutige SLAs/KPIs, Ausfallraten, Servicequalität, Eskalationsfälle; FM‑Connect nennt typische Beschaffungs-KPIs (z. B. Lieferantenausfallrate, Bestellgenauigkeit, Durchlaufzeiten, ROI, Compliance‑Rate).
System- und Integrationslandkarte: CAFM/IWMS, ERP, DMS/CDE, GLT/GA, IoT‑Plattform, BIM‑Toolchain; inklusive gewünschter Datenflüsse/SoR‑Fit.
Daten- und Governance-Anforderungen: Datenhoheit, Stammdatenpflege, Rollen Data Owner/Steward; GEFMA 430 adressiert Aufbau, Qualitätssicherung und Pflege der CAFM-Datenbasis und hebt Datenschutzbezug hervor.
Rechts-/Compliance-Anforderungen: AVV/TOM, Audit‑Rights, Datenstandort, Aufbewahrung/Nachweisführung; FM‑Connect nennt hierfür konkrete Vergabeunterlagen (Datenschutzpaket, IT‑Sicherheitskatalog, Datenflussdiagramme, Netzwerkanforderungen).
Vergaberechtliche Basis (öffentlich): Verfahrensart, Dokumentationspflichten (Vergabevermerk), Gleichbehandlung/Transparenz; FM‑Connect nennt interne Steuerungs- und Prüfunterlagen wie Markterkundungsdokumentation, Bewertungsbögen, Versionstracking als typische Artefakte.
Für eine konsequente Beschaffungsstrategie haben sich folgende Rollen bewährt (konkrete Besetzungen unbestimmt):
Steering Committee (A): Sponsor (FM/CREM/Operations) + Einkauf + IT + ggf. Recht/Datenschutz; entscheidet Sourcing‑Modell, Budget, Risikotoleranz, Verfahrenswahl.
Beschaffungs-/Vergabeleitung (R): Prozessführung, Terminplan, Dokumentation, Bieterkommunikation, Vergabevermerk/Entscheidungsvorlagen (öffentlich: besonders strikt).
FM‑Fachverantwortliche (R/C): Leistungsbild/Use Cases, SLA/KPI‑Rahmen, Abnahme der fachlichen Eignung.
IT/Architektur & Security (R/C): Betriebs-/Hostingentscheidung (SaaS/Cloud/On‑Prem), Integrationsfähigkeit (APIs/iPaaS), Security‑Anforderungen (ISMS/BSI‑Baseline).
Datenschutz (R/C): AVV/TOM‑Anforderungen, Datenflussdiagramme, Sub‑Processor‑Regeln, Auditierbarkeit; EU‑Kommission stellt Standardvertragsklauseln bereit, die Anforderungen an Controller‑Processor‑Verträge nach Art. 28 DSGVO erfüllen.
Controlling/Finance (R/C): TCO‑Vergleich, Budgetierung, 3‑Punkt‑Schätzung, wirtschaftliche Bewertung Named vs. Concurrent und Kauf vs. Subscription.
Betriebsrat/Personalvertretung (C): bei Systemen, die Verhalten/Leistung potenziell überwachen können (z. B. Service Desk, mobile Apps, Sensorik); FM‑Connect stellt praxisnah Betriebsvereinbarungsansätze für Service‑Desk/Ticket‑Systeme bereit.
Bewertungsteam/Jury (R): Review von Demos/PoCs; FM‑Connect empfiehlt konkrete Demo‑Use‑Cases und eine Jury aus Fach- und Anwendervertretern.
Vorgehensstruktur
Die Methode ist als iterativer Prozess aufgebaut. Zeitangaben sind Richtwerte für mittlere Vorhaben (z. B. CAFM/IWMS inkl. Implementierungsvorbereitung) und müssen an Portfolio-/Vergabekomplexität angepasst werden (unbestimmt).
Kickoff und Zielbildrahmen (ca. 1–2 Wochen)
Deliverables: Zielbild (Use Cases/Nutzen/Scope), SoR‑Fit‑Skizze (welche Lösung ist führend für welche Domäne), Entscheidungskriterien für Sourcing‑Modelle, Risiko-Register initial.
Sourcing- und Betriebsmodell-Entscheidung (ca. 1–2 Wochen)
Deliverables: Sourcing‑Optionenvergleich (Inhouse/Outsourcing/Managed Services/SaaS), Betriebs‑/Hostingentscheidung (SaaS/Cloud/On‑Prem) als Leitplanke für RFP/Vertragsentwurf.
Markt- und Vergabestrategie (ca. 2–3 Wochen)
Deliverables: Markterkundungsdokumentation, Longlist → Shortlist, Verfahrenswahl (öffentlich: z. B. offen/beschränkt/verhandlungsorientiert), Zeitplan, Kommunikations-/Q&A‑Regeln. FM‑Connect führt Markterkundungsdokumentation und Kommunikationsregeln als typische Artefakte; das Verhandlungsverfahren wird als mehrstufiger, interaktiver Prozess beschrieben.
Anforderungs- und Bewertungsdesign (ca. 2–4 Wochen)
Deliverables: Bewertungsmatrix, Gewichtungen, Nachweisanforderungen, Demo-/PoC‑Szenarien, TCO‑Template, SLA/KPI‑Rahmenwerk. FM‑Connect empfiehlt Scoring‑Tabellen für Shortlists, konkrete Use‑Cases für Demos sowie ein vorher definiertes Bewertungsschema.
Dabei sollte die Kriterienlogik für CAFM/IWMS an GEFMA 444 orientiert werden; GEFMA beschreibt das Zertifikat als verbreitete Grundanforderung in vielen CAFM‑Ausschreibungen und nennt Kriterienkataloge u. a. zu Flächen-/Instandhaltungsmanagement, BIM, Vertragsmanagement und Workplace.
RFP-/Vergabeunterlagen und Compliance-Paket (ca. 3–6 Wochen)
Deliverables (Beispiele, je nach Vergabeart): Bekanntmachung/Aufforderung, Vergabebedingungen, Verhandlungsregeln, Zuschlagskriterien, Leistungsbeschreibung/Lastenheft, IT‑Sicherheitsanforderungskatalog, Datenschutzpaket (AVV‑Entwurf + TOMs, Datenpfade, Datenflussdiagramme), Vertragsentwurf/Rahmenvertrag, Preisblatt/Preisstrukturvorgaben, Präsentationsszenarien. FM‑Connect listet diese Unterlagen als typische Vergabeunterlagen für CAFM‑Ausschreibungen.
Bewertung, Verhandlung, Pilot/PoC (ca. 4–10 Wochen)
Deliverables: Bewertungsprotokolle, Verhandlungsprotokolle, Angebotsversionstracking, PoC‑Ergebnisse, finale Bewertung und Vergabeentscheidung. FM‑Connect nennt dafür Protokollvorlagen, Bieterfragen-/Klarstellungsprotokolle und Angebotsversions‑Tracking; außerdem den Best‑Practice‑Ansatz, reale Testdaten für Demos zu nutzen und Use‑Cases „durchzuspielen“.
Vertragsschluss und Übergabe an Implementierung (ca. 2–4 Wochen)
Deliverables: signierter Vertrag inkl. SLA/KPI, AVV/TOM, Betriebs-/Supportmodell, Change‑Request‑Prozess, Exit/Migration‑Plan, Umsetzungs- und Migrationskonzept als verbindliche Anhänge; Startpaket für Implementierung (Governance, Projektplan, Test-/Abnahmekriterien). FM‑Connect betont, dass Muss‑Anforderungen aus dem Lastenheft als geschuldete Leistungen im Vertrag abgebildet werden sollen.
Tabelle: Bewertungs-/Nutzwertmatrix (Beispiel)
Das Beispiel folgt FM‑Connect‑Empfehlungen zu Scoring/gewichteten Zuschlagskriterien und GEFMA‑444‑Orientierung als Qualitätsrahmen für CAFM-Funktionalität.
Bewertungs-/Nutzwertmatrix (Beispiel)
| Kriterium | Gewichtung | Scoring (1–5) | Hinweise zur Operationalisierung |
|---|---|---|---|
| Funktionsabdeckung (Use Cases) | 25% |
| Muss-/Kann Kriterien aus Lastenheft; Demo Szenarien verpflichtend |
| GEFMA 444 Fit / Zertifizierung | 10% |
| Nachweis/Scope der Zertifizierung; ggf. Prozesskataloge (z. B. Flächen/IM/Helpdesk) |
| Integrationsfähigkeit (API/iPaaS) & SoR Fit | 15% |
| Schnittstellen zu ERP/DMS/GLT/BIM; Datenhoheit/SoR Matrix |
| Security & Datenschutz (AVV/TOM) | 15% |
| IT Sicherheitskatalog, TOMs, Logging/Audit, Sub Processor Regeln |
| Betrieb/Supportmodell (SaaS/On Prem/Managed) | 10% |
| Verfügbarkeit, Patch/Release, Supportzeiten, Monitoring |
| TCO (5–10 Jahre) | 20% |
| CapEx/OpEx, Lizenzen, Implementierung, Betrieb, Change, Exit |
| Anbieter-/Teamfähigkeit | 5% |
| Referenzen, Projektteam, Vorgehensmodell, Risikomanagement |
Tabelle:
Vergleich Sourcing-Modelle (Vor-/Nachteile, Szenarien, Compliance) Siehe auch Anwendungsbereich; hier als Entscheidungsraster für Steering/Business Case.
| Modell | Vorzüge | Risiken | Typische Governance-Entscheidung |
|---|---|---|---|
| Inhouse | Kontrolle, Know-how im Haus | Ressourcen/Skalierung, Single Points of Failure | Aufbau Betriebsorganisation + klare RACI |
| Outsourcing | Skalierung, Kosten-/Leistungsbündelung | Steuerung/SLA, Abhängigkeit | KPI basierte Steuerung + Auditrecht |
| Managed Services | Betrieb/Support „aus einer Hand“ | Lock in, Transparenz | Exit /Migrationsklauseln + Datenhoheit |
| SaaS | schnelle Bereitstellung, Updates/Hosting | Datenstandort, Abhängigkeit vom Anbieterbetrieb | AVV/TOM, Verfügbarkeits SLA, Exit Plan |
Nach Abschluss liegen typischerweise die folgenden Ergebnisse in „entscheidungsreifer“ Form vor:
Beschaffungsstrategie-Dokument (Zielbild, Sourcing, Verfahrenswahl, Roadmap).
Bewertungs- und Zuschlagslogik (gewichtete Matrix, Prüfbögen, Demo-/PoC‑Kriterien).
Business Case / TCO‑Rechnung inkl. Lizenz-/Betriebsmodellvergleich (Kauf vs Subscription; Named vs Concurrent; Modulbundles).
Risikoregister & Compliance-Paket (IT‑Security‑Anforderungen, Datenschutzpaket AVV/TOM, Datenflussdiagramme, ggf. Mitbestimmungs-/BV‑Pfad).
Vergabeunterlagen-Set (öffentlich/privat anpassbar): Lastenheft, Vertragsentwurf/Rahmenvertrag, SLA‑/KPI‑Rahmenwerk, Preisblatt.
Übergabe in Implementierung: Projektstartpaket (Governance, Zeitplan, Abnahmekriterien, Migrations-/Umsetzungskonzept als Vertragsanhang).
Vorteile der Methode
Transparenz und Prüffähigkeit: standardisierte Prozesse, Audit‑Trails, dokumentierte Entscheidungen und stabile Compliance‑Logik; FM‑Connect betont dies als Nutzen strukturierter Beschaffungsprozesse.
Bessere Wirtschaftlichkeit: TCO‑Orientierung verhindert „Preis‑first“-Entscheidungen; FM‑Connect beschreibt TCO‑Vergleich als sinnvoll für Lizenz-/Betriebsmodellentscheidungen.
Höhere Betriebssicherheit: SLA‑Design und Betriebsmodellverträge (SaaS/On‑Prem) reduzieren Ausfall- und Lock‑in‑Risiken; FM‑Connect nennt Verfügbarkeit, Rechenzentrumsstandort, Datensicherheit/Backup als Vertragsbestandteile bei SaaS.
Integrations- und Datenfähigkeit: GEFMA 410 stärkt die Planung/Umsetzung/Betrieb von Schnittstellen; verhindert Medienbrüche und Datenredundanz – entscheidend für digitale FM‑Steuerung.
Qualitätsanker für CAFM-Auswahl: GEFMA 444 wird laut GEFMA häufig als Grundanforderung in CAFM‑Ausschreibungen genutzt und gibt Sicherheit über Mindestkriterien.
Grenzen der Methode
Abhängigkeit von Anforderungsqualität: Wenn Zielbild/Use Cases/SoR‑Fit unklar sind, wird die Beschaffungsstrategie zwar formal korrekt, aber fachlich nicht treffsicher (unbestimmt je Organisation).
Markt-/Standardgrenzen: GEFMA‑444‑Zertifizierung ist hilfreich, aber nicht deckungsgleich mit individueller Prozessreife und Integrationsrealität; eine Lösung kann „zertifiziert“ sein und dennoch wenig passen.
Vergaberechtliche Restriktionen (öffentlich): Dokumentations- und Verfahrenspflichten erhöhen Aufwand; dennoch sind sie zwingend. FM‑Connect weist selbst auf die Bedeutung sorgfältiger Dokumentation, insbesondere bei öffentlichen Vergaben, hin.
Security/Datenschutz als harte Nebenbedingungen: EU‑Datenstandort, AVV/TOM, Audit‑Rights und Sub‑Processor‑Regeln können Anbieter-/Betriebsmodelle einschränken (unbestimmt abhängig von Schutzbedarf/Branche).
Typische Einsatzbereiche
CAFM/IWMS-Beschaffung inkl. Implementierungspartner, Integration und Betriebs-/Hostingentscheidung.
Rahmenverträge für Facility Services (Multi‑Site/Multi‑Provider), inklusive SLA‑/KPI‑Rahmen und Auditfähigkeit.
Strategische Vergaben mit Verhandlungsverfahren (wo zulässig/geeignet): FM‑Connect beschreibt das Verhandlungsverfahren als interaktives Vorgehen zur Erarbeitung individueller Lösungen und Konditionen.
Vorlagenhinweise (sofort einsetzbar, adaptierbar)
Bewertungsmatrix Template (Nutzwertanalyse): Kriterien, Gewichtung, Scoring-Regeln, Nachweise, „Show Stopper“-Kriterien, Bewertungsprotokoll.
TCO Template (5–10 Jahre): Lizenzkosten (Named/Concurrent; Module/Bundles), Wartung/Subscription, Hosting/Betrieb, Integrationen, Migration, Schulung, Change Requests, Security/Compliance-Aufwände, Exit/Migration. FM Connect empfiehlt ausdrücklich TCO Vergleiche für Lizenzmodelle.
SLA Checklist: Verfügbarkeit, Supportzeiten, Reaktions-/Lösezeiten, Wartungsfenster, Incident/Problem/Change Prozess, Monitoring/Reporting, Service Credits, Nachweis-/Auditpflichten.
Vertragsklauseln Checkliste: Leistungsumfang (Lastenheft als Vertragsbestandteil), Datenhoheit/SoR Fit, Audit Rights, Sub Processor Regeln, Datenschutzpaket (AVV/TOM), Security Vorgaben, Patch-/Release Management, Exit/Migration, Preis-/Indexlogik, Change Request Rahmen.
RACI Template: Steering/Procurement/FM/IT/Datenschutz/Provider – Rollen pro Vergabeschritt, Abnahme, Vertragspflege, SLA Steuerung.
Kurzhinweise für öffentliche Auftraggeber (Vergaberecht, Dokumentation, Transparenz)
Planen Sie Verfahrenswahl, Fristen, Eignungs- und Zuschlagskriterien sowie Dokumentationspflichten früh; bund.de weist auf die Schwellenwertlogik (ober-/unterhalb EU‑Schwellen) als zentrale Weiche hin.
-Bewertungsbögen, Entscheidungsprotokolle); FM‑Connect sammelt diese Artefakte explizit als interne Steuerungs- und Prüfunterlagen.
